ökologie

Kurzumtriebsplantagen als ökologische Heizalternative

Seit einigen Jahren gewinnen die Themen Energieholz und Biomassenutzung immer mehr an Bedeutung. Sogenannte Pappelplantagen bezeichnen den landwirtschaftlichen Anbau von Bäumen auf Ackerflächen zur Erzeugung von Holzhackschnitzeln für die energetische Verwendung. Der Anbau von Hölzern wie Pappeln, Weiden und Robinien im Kurzumtrieb bietet die Möglichkeit, auch Flächen, die nicht für den Anbau von Feldfrüchten geeignet sind, einer nachhaltigen Nutzung zuzuführen.

Die Wuchsleistung schnellwachsender Baumarten wie Pappeln und Weiden ist dabei deutlich höher als bei normalen Waldbäumen. Bereits nach 3-5 Jahren können sie geerntet werden und erreichen in dieser Zeit Höhen von knapp 10 m. Nach der Ernte schlagen die Bäume wieder aus. Das heißt, man kann also mehrmals ernten, ohne wieder neu pflanzen zu müssen. Bei dieser sanften Form der Landwirtschaft wird auf den Einsatz von Dünger oder Pflanzenschutzmitteln weitgehend verzichtet. Rechtlich gesehen sind Kurzumtriebsplantagen mit einer Umtriebzeit von höchstens 20 Jahren kein Wald, sondern behalten den Status von landwirtschaftlichen Flächen. Alle Baumarten mit einer hohen Stockausschlagsfähigkeit können für Kurzumtriebsplantagen verwendet werden. Wirtschaftlich gesehen sind aber nur in der Jugend wuchskräftige Baumarten wie Aspe, Robinie, Weiden, Schwarzerle und insbesondere Pappelhybride interessant.

Die besten Erträge auf den bayerischen Versuchsflächen erzielten verschiedene Sorten der Balsampappel. Die meisten landwirtschaftlich genutzten Flächen sind für die Anlage von Kurzumtriebsplantagen geeignet, sofern sie ausreichend mit Wasser versorgt sind. In Bayern muss eine Neuanlage vom zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten genehmigt werden. Kurzumtriebsplantagen mit Balsampappeln oder Weiden werden mit Stecklingen begründet. Dabei handelt es sich auf ca. 20 cm abgelängte einjährige Triebe. Herkunft und Sorte des verwendeten Pflanz- und Steckmaterials sind wirtschaftlich entscheidend für den Erfolg.

Im Winter werden die Stecklinge von zugelassenen Mutterquartieren geerntet und bis zum Abstecken im Kühlhaus gelagert. Im Herbst sollte die zum Anbau vorgesehene Fläche vor der Anlage mit einem Totalherbizid behandelt werden, wenn es sich um Grünland handelt oder sich grüne Blattmasse auf dem Acker befindet. Im Frühjahr wird die Fläche geeggt und unmittelbar nach dem Abstecken im März/April ein in der Landwirtschaft gängiges Vorauflaufmittel ausgebracht. Diese Maßnahmen halten die Begleitvegetation ungefähr sechs Wochen zurück und lassen die Stecklinge ungehindert austreiben. Kurzumtriebsplantagen werden ausschließlich im Winter beerntet, um die Ausschlagsfähigkeit der Stöcke nicht zu gefährden. Dadurch entsteht der Vorteil, dass die Nährstoffe die im Laub enthalten sind auf der Fläche bleiben. Die Bäume werden gefällt und dann gehackt. Die Erntetechnik richtet sich nach der Größe der Erntefläche und der verfügbaren Arbeits- und Maschinenkapazität. Der wirtschaftliche Ertrag wird von den Kosten für die Begründung, der Ernte sowie dem erzielbaren Holzhackschnitzelpreis bestimmt. Beim Anbau von Pappeln sind bei den jetzigen Holzhackschnitzelpreisen positive Deckungsbeiträge zu erzielen. Kurzumtriebsplantagen werden bei weiter steigenden Energie- und Holzpreisen für Landwirte eine lukrative Alternative, insbesondere für ungünstig aufgeformte Grundstücke. Durch die Verbrennung von Hackschnitzeln aus Energiewäldern werden pro Hektar Waldfläche jährlich rund 5.000 Liter Heizöl eingespart. In Energiewäldern führt die Humusanreicherung durch den jährlichen Laubabfall zu einer messbaren Bodenverbesserung. Aufgrund der intensiven Durchwurzelung der Bäume nimmt die Wasserspeicherfähigkeit der Bäume zu. Dadurch wird die Grundwasserqualität im Bereich von Energiewäldern verbessert und der Hochwasserschutz positiv beeinflusst.

Herr Josef Schegerer, Inhaber vom Spa Parkhotel Reibener Hof hatte sich für das Frühjahr 2014 das Ziel gesetzt, auf einer landwirtschaftlichen Randfläche von ca. 3,0 Hektar eine biologische Pappelplantage ohne Pestizide anzulegen, die im mehrjährigem Umtrieb geernet und zur Wärme- bzw. Stromversorgung mit einer Spanner Holzvergaseranlage verwendet werden kann, was ihm auch gelungen ist. Mittlerweile schreiben wir Anfang 2019 und die Pappeln wachsen und gedeihen sehr gut. Die ersten beiden Jahre waren einigermaßen arbeitsintensiv, da das Unkraut die kleinen Stecklinge am Anfang fast überwuchert hätte. Da der feste Vorsatz “ohne Pestizide” verwirklicht werden sollte, war Handarbeit angesagt. Susanne Schegerer, Frau des Inhabers, verbrachte im Sommer 2014 und 2015 viel Zeit auf der Plantage. Sie befreite die Stecklinge vom Unkraut und sicherte so mit das Gelingen.

So ist das Projekt Pappeln zu einem Herzensprojekt geworden und die Familie Schegerer besucht die gut gewachsenen Pappeln mehrmals in der Woche bei einem Spaziergang mit Hund Kira.

Im Frühjahr 2020 steht die Ernte an. Da die Bäume bereits so groß sind, kann nicht mehr mit einem Häcksler geerntet werden, sondern die Pappeln werden abgeschnitten, abgelegt und eingesammelt. Das Hacken kann dann gleich im Anschluss oder auch später erfolgen.